Die Weserregion hat
viel zu bieten
Um auf globale Probleme, Ereignisse und Entwicklungen zu reagieren, gewinnt die regionale Zusammenarbeit und die Vernetzung vor Ort zunehmend an großer Bedeutung. Gerade Zusammenkünfte von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um gemeinsam über regionale Zukunftsthemen zu sprechen ist wichtiger denn je. Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil sieht nicht nur Probleme, sondern auch Grund zum Selbstbewusstsein.
Niedersächsischer Ministerpräsident Stephan Weil I Foto: MP Stephan Weil – Quelle StK Rainer Jensen 2023
Weserwirtschaftsforum: Herr Ministerpräsident, vor Kurzem hat Ihr Kabinett einen Innovationsrat ins Leben gerufen. Es ist zu lesen, dass der Innovationsrat zunächst auf 18 Monate befristet sein soll. Ist Innovation nicht ein dauerhaftes Zukunftsthema, welches die Wissenschaft und Wirtschaft über die 18 Monate hinaus beschäftigen wird?
Ministerpräsident Weil: Die Stärkung von Innovationen in unserer Volkswirtschaft ist in der Tat eine dauerhafte Aufgabe. Ziel des Innovationsrats ist es, dass herausgehobene Expertinnen und Experten mit internationaler Erfahrung konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung des niedersächsischen Innovationssystems und der Innovationspolitik für die Landesregierung entwickeln. Dabei geht es unter anderem darum, wie das Land den Transfer von Wissenschaft in die Wirtschaft noch verbessern kann und wie Niedersachsen noch attraktiver für junge innovationsfreudige Menschen werden kann.
Weserwirtschaftsforum: Die Kassen und Haushalte werden immer enger. Gerade für die Kommunen und Regionen. Was kann das Land Niedersachsen tun, damit es den Regionen wirtschaftlich und finanziell wieder besser geht?
Ministerpräsident Weil: Nun, in vielen Regionen ist über die Jahre eine nachhaltige Stärkung geschafft worden, nicht zuletzt in Verbindung mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien. Als Landesregierung strengen wir uns sehr an, vor allem auch den ländlichen Raum immer weiter zu entwickeln. Das Hauptthema in Deutschland muss in diesem Jahr sein, dass unsere Wirtschaft wieder in Schwung kommt und das gilt auch in Niedersachsen. Eine prosperierende Wirtschaft ist die Basis für wirtschaftliche und finanzielle Sicherheit auch der Regionen. Dafür müssen wir als Land so gut wie möglich die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört eine gute öffentliche Infrastruktur – beim Ausbau der Glasfasernetze haben wir zum Beispiel in Niedersachsen gute Fortschritte gemacht. Viele andere Themen sind dagegen aber auf der Bundesebene zu regeln, da denke ich etwa an eine Senkung der Energiekosten,
die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen deutlich belasten. Bei solchen Themen machen wir gemeinsam mit den anderen Ländern viel Druck auf die Bundespolitik.
Weserwirtschaftsforum: Die politische Weltlage ist angespannt und im Wandel. Die Sorgen der Zivilgesellschaft und den Unternehmen sind allgegenwärtig zu spüren. Wie begegnen Sie den Menschen, die sich Sorgen über Wohlstand und Zukunft machen?
Ministerpräsident Weil: Ich nehme die Sorgen sehr ernst. Wir befinden uns mitten in einer Phase grundlegender Umbrüche – vom Klimawandel bis zur Sicherung des Friedens. Ich verstehe voll und ganz, dass das viele Menschen verunsichert. Politik muss gerade in solchen unsicheren Zeiten verlässlich sein und zeigen, wohin die Reise geht, auch über Wahlperioden hinaus. Deswegen wird es nach den Bundestagswahlen so wichtig sein, wie es in Berlin weitergeht. Aber wir haben nicht nur Probleme, sondern auch Grund zum Selbstbewusstsein. Dazu gehört auch die Chancen aufzuzeigen: Als Energieland Nummer 1 profitiert Niedersachsen beispielsweise von der erhöhten Nachfrage nach grüner, erneuerbarer Energie. Und Deutschland ist nach wie vor die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen, aber wir können die vor uns liegenden Herausforderungen durchaus selbstbewusst und zuversichtlich angehen.
Weserwirtschaftsforum: Viele Betriebe und große Konzerne haben angekündigt, ihre Belegschaft zu reduzieren und tausende Mitarbeiter zu entlassen. Bräuchte es darin auch eine Art Innovationsrat für den Arbeitsmarkt?
Ministerpräsident Weil: Der Wandel in unserer Arbeitswelt ist offensichtlich und Innovationen im Bereich der Digitalisierung verändern die Art und das Tempo unserer Arbeit. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird den Wandel nochmals beschleunigen. Gleichzeitig wird unsere Gesellschaft immer älter und der Bedarf nach Fachkräften wird weiter steigen. Ich bin zuversichtlich, dass auch künftig in Niedersachsen vorbildliche Ideen mit Blick auf die sich verändernde Arbeitswelt entstehen.
Ein Beispiel ist die Continental AG mit ihrem CITT als Kompetenzzentrum für Transformation. Dort werden Beschäftigte für neue Aufgaben qualifiziert, die mit der Transformation entstehen. Gleichzeitig sorgt eine Job-Drehscheibe dafür, dass Beschäftigte auch über Unternehmensgrenzen hinweg in neue zukunftssichere Jobs wechseln können. Wir werden als Landesregierung mit den Sozialpartnern intensiv darüber reden, wie wir dieses Beispiel für ganz Niedersachsen nutzen können.
Weserwirtschaftsforum: Die Betriebe klagen über Fachkräftemangel, hohe Energiekosten und zu wenig Auszubildende. Mit welchen Worten würden Sie einen jungen Menschen für eine Ausbildung zum Beispiel bei einem Handwerksbetrieb motivieren? Und Zweitens warum sollten junge Familien sich für den Berufs- und Lebensort Niedersachsen und der Weserregion entscheiden?
Ministerpräsident Weil: Handwerk hat goldenen Boden – so einfach, so aktuell. Mehr als eine halbe Million Menschen arbeitet in niedersächsischen Handwerksbetrieben, die zuletzt im Jahr 2022 einen Gesamtumsatz von mehr als 70 Milliarden Euro erzielt haben. Hinzu kommt, dass ich im Handwerk immer wieder viele junge Menschen treffe, die einfach Spaß an ihrer Arbeit haben. Eine Ausbildung ist ein guter Weg, eine berufliche Basis zu schaffen, die später immer noch durch ein Studium ergänzt werden kann. Doch kein Studium lehrt so umfassend, wie Ausbildung und Meisterschule im Handwerk. Danach können Sie ihr eigenes Unternehmen führen. Und das natürlich sehr gerne im schönsten aller Bundesländer. Niedersachsen ist familienfreundlich und gerade auch die Weserregion hat viel zu bieten – aber das muss ich Ihren Leserinnen und Lesern sicherlich nicht erklären.
Weserwirtschaftsforum: Herr Ministerpräsident, haben Sie vielen Dank für das Gespräch
Das Interview führte Joel Candelario Cruz
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