Das Thema fängt in den Banken gerade erst an
Ob Künstliche Intelligenz, Digitalisierung oder Donald Trump – die Banken spielen irgendwie immer eine Rolle. Wir sprachen mit dem Regionalleiter der GLS Bank Dirk Grah. Er verrät uns auch was das Projekt „Überseeinsel“ ist?
Dirk Grah, Regionalleiter GLS Bank I Foto: Dirk Grah/GLS Bank
Weserwirtschaftsforum: Zusammenarbeit für das digitale Zeitalter – was genau meinen Sie damit auf Ihrer Homepage und welche Chance sehen Sie darin für die Weserregion?
Dirk Grah: Die Zusammenarbeit für das digitale Zeitalter beinhaltet für uns, dass wir mit unseren Kunden überwiegend digital, als Direktbank über Internet oder Telefon zusammenarbeiten müssen. Über unsere sieben Geschäftsstellen (Weserregion: Bochum und Hamburg) versuchen wir eine gewisse örtliche Nähe zu den Projekten in der Region herzustellen, aber über das Internet, die sozialen Medien auch die Menschen zu erreichen, die uns nicht physisch in unserer Filiale besuchen können und darüber eine Zusammenarbeit ermöglichen.
Weserwirtschaftsforum: Sie bezeichnen sich als die erste sozial-ökologische Bank Deutschlands. Sie wollen mit Geld Wirtschaft und Gesellschaft positiv verändern. Wie könnten Sie sich das konkret in der Weserregion vorstellen?
Dirk Grah: In Bremen haben wir z.B. eine enge Zusammenarbeit mit dem Projekt „Überseeinsel“ begonnen. Das ist ein neuer nachhaltiger Lebens- und Arbeitsort mit hoch innovativen Ansätzen z.B. Mit einer großen Wasserwärmepumpe. Solche Projekte begleitet die GLS Bank schon seit über 50 Jahren.
Weserwirtschaftsforum: Wie sehen Sie das Vorhaben von Donald Trumps künftiger Zollpolitik? Nach Aussagen von Konjunkturforschern wären davon 300.000 Arbeitsplätze bedroht. Sehen Sie darin auch eine Gefahr für die Weserregion?
Dirk Grah: Die Politik der Amerikaner bzw. von Donald Trump hat Auswirkungen für ganze Länder oder Kontinente bzw. Volkswirtschaften. Im Alltag wird das vermutlich auch besonders Regionen betreffen, die exportorientiert produzieren. Leider gibt es bei einer solchen Zollpolitik nur Verlierer und keinen Gewinner.
Weserwirtschaftsforum: Bis 2030 sollen 70 Prozent der Bankfilialen verschwinden. Können Sie dieser Aussage zustimmen? Was bedeutet das für Ihre KundInnen in der Weserregion?
Dirk Grah: Die Anzahl der Bankfilialen in ganz Europa werden auch in Zukunft immer weiter zurückgehen. Nicht nur durch Fusionen einzelner Banken, sondern auch durch Rationalisierungsmaßnahmen. Der persönliche Service vor Ort wird in Zukunft nicht mehr so aufrechterhalten werden können. Deshalb versucht die GLS Bank einen Mix aus persönlicher Betreuung in den sieben Geschäftsstellen in Deutschland und der Direktbank über Telefon und Internet. Das erfordert aber große Anstrengungen, damit die Kunden auch weiterhin ein persönliches Erlebnis in der Kommunikation wahrnehmen können.
Weserwirtschaftsforum: Künstliche Intelligent – ist das ein Thema für die Banken? Wenn ja, – wie muss sich das der Verbraucher vorstellen?
Dirk Grah: Das Thema fängt in den Banken gerade erst an. Wir gehören der Volks- und Raiffeisengruppe an, die über ein zentrales Rechenzentrum, die „Atruvia“ das Thema in die Kernbankenprozesse implementiert. Als GLS Bank haben wir den Anspruch, dass die künstliche Intelligenz dem Menschen dient und seine Arbeit erleichtert. Wir würden nicht unterstützen wollen, dass dadurch Arbeitsplätze wegfallen. Wir möchten, dass wir unsere Arbeit als Dienstleister mit noch mehr Zeit ausüben können. Ob uns das gelingt, wird sich zeigen. Der Prozess hat ja in den Banken erst gerade begonnen.
Weserwirtschaftsforum: Herr Grah, vielen herzlichen Dank für diese offenen Worte und das Sie sich die Zeit genommen haben.
Das Interview führte Karin Kellerer