Ein junger Bürgermeister
Hagen Langosch ist bei den Grünen und jung. Er sprudelt Innovationsfreude und vor allem neue Denkweisen aus. Er ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Hameln. Wir fragten nach, was das für ihn bedeutet. In einem Bereich sieht er besonderen Handlungsbedarf.
Hagen Langosch I Foto: Sven Brauers – https://brauers.com
Weserwirtschaftsforum: Herr Hagen, vielen Dank, dass Sie sich inmitten des Wahlkampfes die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten. Was sind Ihre Aufgaben als ehrenamtlicher Bürgermeister?
Hagen Langosch: Das Aufgabenportfolio ist sehr unterschiedlich. Grundsätzlich definiert das Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) die Aufgaben genau. Die Stellvertreter*innen des Oberbürgermeisters (OB) vertreten ihn bei der Wahrnehmung repräsentativer Termine der Stadt. Das können Versammlungen von Verbänden oder Vereinen sein, Eröffnungen, die Begrüßung internationaler Gäste oder Jubiläen, bei denen zum Beispiel eine Urkunde des Ministerpräsidenten überreicht wird, sein. Über das Jahr kommen schon einige Termine zusammen. Da ist es sehr sinnvoll, dass es „durch vier“ geteilt wird. Da Hameln eine große selbständige Stadt ist, nennen sich die Stellvertreter*innen des Oberbürgermeisters „Bürgermeisterin“ oder „Bürgermeister“ (BMin oder BM). Wenn der OB verhindert ist, können die Bürgermeister*innen auch die Einberufung des Hauptausschusses (in Hameln Verwaltungsausschuss genannt) einschließlich der Aufstellung der Tagesordnung, Leitung der Sitzungen etc. übernehmen. In besonders dringenden Fällen (droht der Eintritt erheblicher Nachteile oder Gefahren), kann der OB im Einvernehmen mit einer BMin oder einem BM die notwendigen Maßnahmen treffen. Dies war zum Beispiel in der Corona-Zeit der Fall. Dazu kommen noch die „normalen“ Ratsaufgaben. Als Bürgermeister sitze ich im Verwaltungsausschuss, in dem jede Vorlage und jeder Antrag nochmal vorbereitet werden, bevor sie in die finale Ratssitzung gehen. Er tagt per NKomVG nicht öffentlich. Dazu sitze ich im Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz und im Ausschuss für Familie, Kita, Schule und Sport. Regelmäßig finden zudem Aufsichtsratssitzungen, Gesellschafterversammlungen oder Gliederungssitzungen statt, bei denen ich meine Fraktion oder den Rat vertrete.
Weserwirtschaftsforum: Was wünschen Sie sich für die Infrastruktur in Hameln? Speziell im Hinblick auf „Radfahrstadt Hameln“?
Hagen Langosch: In der Kernstadt und den Stadtteilen muss Hameln fahrradfreundlicher werden. Wenn wir Verkehr, Feinstaub und CO2-Emissionen reduzieren wollen, müssen wir bessere Angebote für tägliche Radfahrten schaffen. Das bedeutet konkret: Radwege verbessern, ausbauen, absichern und verkürzen. Wir haben uns bereits auf den Weg gemacht und setzen einiges um. Das wird in den kommenden Monaten und Jahren im Stadtbild auffallen. Doch, da geht mehr! Um zur „Radfahrstadt“ zu werden, müssten Hameln Vorbildcharakter entwickeln. Eine Fahrrad- und Fußgänger*innen-Brücke, vom Durchgangsverkehr befreite Wohnviertel, Lastenradstationen, mit den Öffis abgestimmte Park&Ride-Stationen, weniger Autospuren und dafür breitere, sichere und in beide Richtungen freigegebene Radwege. Das gut zu finanzieren ist keine leichte Aufgabe, aber möglich. Für das gesamte Thema Infrastruktur spielt sicherlich auch die kommunale Wärmeplanung eine entscheidende Rolle. Wie lässt sich die Wärmeversorgung aller städtischen Haushalte nachhaltig gestalten? Bei dieser ebenfalls großen Aufgabe wünsche ich mir, dass im Rat im Sinne der kommenden Generationen entscheiden wird.
Weserwirtschaftsforum: Was sind Ihre Intuitionen und Motivationen für die Zukunft?
Hagen Langosch: Die Hauptmotivation ist für mich immer schon gewesen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Auf kommunaler Ebene sieht man, was beschlossen wird. Man spricht täglich mit den Menschen, die unmittelbar von den politischen Entscheidungen betroffen sind. Es sind Freund*innen, Nachbar*innen oder auch die eigene Familie. Das kann schon sehr motivieren. Einem selbst fallen häufig Dinge auf: Kann das nicht anders laufen? Warum ist das so, wie es ist? Die Antworten findet man häufig in gesellschaftlichen Entscheidungen,
die maßgeblich durch die Politik bestimmt werden. Einen Teil zur „Verbesserung“ beitragen zu können, treibt mich an.
Weswerwirtschaftsforum: Wo sehen Sie in Hameln den größten Handlungsbedarf? Egal, bei welchem Thema.
Hagen Langosch: Den größten Handlungsbedarf sehe ich aktuell im Bereich Bildung. Zu wenig Kitaplätze, ein ungewisser Ausblick auf die Ganztagsbildung in der Grundschule und anstehende bauliche und pädagogische Neu-Gestaltungen der weiterführenden Schulen. Das alles sind Investitionen in Hamelns Zukunft. Ich möchte, dass wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, damit Kinder und Jugendliche in 10 Jahren gut in Hameln aufwachsen und lernen können. Dazu gehört insbesondere die Wilhelm-Raabe-Schule. Wir werden sie gut aufstellen und die Südstadt stärken.
Weserwirtschaftsforum: Was haben Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit umgesetzt bzw. wobei haben Sie Ihre Ziele maßgeblich beeinflussen können?
Hagen Langosch: Nun ja, da gibt es eine Menge. Natürlich ist es schwierig, von mir allein zu sprechen, da wir als Rat bzw. als Mehrheitsgruppe Dinge beschließen. Aus dem Gruppenvertrag haben wir schon sehr viel umgesetzt. Ich denke, häufig habe ich Themen ins Spiel gebracht, die jungen Leuten in Hameln wichtig sind. Zum Beispiel gibt es jetzt den Jugendbeteiligungsbeauftragten der Stadt Hameln, der gerade seine Arbeit aufnimmt. Darüber freue ich mich. In Haushaltsverhandlungen, Ausschüssen und Fraktionssitzungen achte ich immer darauf, dass der Klimaschutz eine zentrale Rolle spielt. Was wünschen Sie sich für die Stadt Hameln? Ich wünsche mir, dass Hameln eine Stadt des fairen Umgangs bleibt. Außerdem wünsche ich mir, dass sich Hameln so weiterentwickelt, dass es attraktiver für Menschen zwischen 20 und 30 wird.
Das Interview führte Karin Kellerer