
Starke Demokratie: Moderne
Einwanderungsgesellschaft
Aufgrund seiner historischen Entwicklung lässt sich Deutschland zwar nicht mit klassischen Einwanderungsländern wie Kanada, den USA oder Australien vergleichen. Dennoch hat sich unser Land seit vielen Jahren zu einer modernen Einwanderungsgesellschaft entwickelt. Angesichts des demografischen Wandels, einer alternden Bevölkerung und des zunehmenden Fachkräftemangels ist qualifizierte Einwanderung ein unverzichtbarer Baustein für die Zukunft Deutschlands und seiner Regionen.
Dabei gilt es, zwischen einer weltoffenen Einwanderungspolitik mit Punktesystem und einer Einwanderung in die sozialen Sicherungssysteme zu unterscheiden. Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitswesen, Handwerk und Kultur profitieren von Menschen, die ihre Qualifikationen, Erfahrungen und Ideen einbringen. Deutschland braucht deshalb eine gesteuerte und qualifizierte Einwanderung, die Innovationen fördert, Fachkräfte sichert, Wachstum ermöglicht, den Wohlstand künftiger Generationen stärkt und damit auch unsere demokratische und wirtschaftliche Stabilität unterstützt.
Welche Einwanderungspolitik wollen wir? Welche Form der Zuwanderung dient den langfristigen Interessen unseres Landes? Welche Erwartungen stellen wir an Integration und die Achtung der Werte unseres Grundgesetzes sowie unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft? Welche Voraussetzungen fördern ein gutes Zusammenleben und gesellschaftlichen Zusammenhalt, und wie gehen wir mit kulturellen Unterschieden um, wenn grundlegende Werte und Normen in Konflikt geraten?
Gleichzeitig gilt: Humanitäre Verantwortung gegenüber Menschen, die Schutz vor Krieg, Verfolgung oder Gewalt suchen, ist Ausdruck unserer freiheitlich-demokratischen Werte und unserer Verfassung. Sie darf jedoch nicht mit einer ungesteuerten Einwanderung in die sozialen Sicherungssysteme verwechselt werden. Eine nachhaltige Einwanderungspolitik verbindet Humanität, klare Regeln und die konsequente Integration derjenigen, die dauerhaft Teil unserer Gesellschaft werden möchten.
Eine erfolgreiche Einwanderungsgesellschaft lebt von einer gemeinsamen Identität. Wer sich langfristig für Deutschland und die Weserregion als neue Heimat entscheidet, sollte sich zu den Grundwerten unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen und diese im Alltag leben. Dazu gehören die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit sowie die uneingeschränkte Gleichstellung von Frauen und Männern. Ebenso wichtig ist es, ein Verständnis für die Geschichte unseres Landes, seine gesellschaftlichen Traditionen, Sitten und Alltagskultur zu entwickeln. Die eigene Herkunft, Sprache und Wurzeln zu bewahren, ist dabei kein Widerspruch. Im Gegenteil: Unterschiedliche Einwanderungsbiografien bereichert unsere Gesellschaft, wenn sie auf einem gemeinsamen Wertefundament, Achtung des Individuums und vor unserer Verfassung und ihren Grundwerten ruht.
Dass wir kulturelle Vielfalt bereits ganz selbstverständlich im Alltag leben, zeigt sich auf vielfältige Weise: durch italienische, spanische oder asiatische Restaurants, das Hören englischsprachiger Musik, das Fahren ausländischer Automarken, das Tragen von Kleidung, die im Ausland hergestellt wurde, die Nutzung internationaler sozialer Medien wie Facebook, Instagram oder YouTube, den Genuss von Früchten aus aller Welt oder das Trinken von Kaffee aus arabischen Kaffeebohnen. All dies ist Ausdruck einer weltoffenen und modernen Einwanderungsgesellschaft.
Das Weserwirtschaftsforum widmet sich deshalb dem Thema „Demokratie und Einwanderungsgesellschaft“, weil wirtschaftliche Stärke, gesellschaftlicher Zusammenhalt und eine offene Gesellschaft nur dort dauerhaft gelingen, wo Integration auf gemeinsamen Werten und der Akzeptanz unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung basiert. Diese bilden zugleich das Fundament unserer sozialen Marktwirtschaft, unseres Rechtsstaats und des Vertrauens, auf dem Unternehmen, Institutionen und Gesellschaft erfolgreich zusammenarbeiten.
Die entscheidende Zukunftsfrage lautet: Wie gelingt es uns, Deutschland und unsere Weserregion als weltoffene gemeinsame Heimat zu gestalten, in der unterschiedliche Einwanderungsbiografien auf einem gemeinsamen Bekenntnis zu Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Verantwortung für das Gemeinwohl aufbaut?